Nach alter Rechtsprechung war ein Pflichtteilsentzug nur möglich, wenn ein Verbrechen vorgelegen hat. Nach geänderter Rechtsprechung genügt eine rechtskräftige Verurteilung wegen einer vorsätzlichen Straftat, welche eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr nach sich zieht. Daneben ist aber auch der Entziehungsgrund des schweren vorsätzlichen Vergehens gegenüber dem Erblasser nach § 2333 Abs. Nr 2 BGB heranzuziehen. Hierfür ist ein schwerwiegendes, dem Erblasser unzumutbares Fehlverhalten erforderlich, ausreichend sind auch Beleidigungsdelikte und psychische Misshandlungen (anders als nach dem bisherigen Recht), wenn sie den Tatbestand des § 240BGB erfüllen, geeignet. Allerdings müssen die Straftaten bei “natürlichem Vorsatz” begangen werden.
 
Berechnungsgrundlage für die Pflichtteilsergänzung bei Lebensversicherungen mit widerruflichem Bezugsrecht
 
Bei dem Abschluss von Lebensversicherungen, die dem jeweils Bezugsberechtigten im Wege der Singularsukzession zugewendet werden, fallen diese nicht in den Nachlass, sie lösen aber Pflichtteilsergänzungsansprüche aus. Fraglich war bisher, ob der Pflichtteilsergänzungsanspruch auf Grundlage der ausgezahlten Todesfallleistung zu berechnen ist, oder nach den gezahlten Prämien und wie sich dies auf die neue Abschmelzungsregelung auswirkt. Der BGH hat einen ganz eigenen Weg gewählt in BGH ZErb 2010, 189 und stellt in erster Linie auf den Rückkaufswert ab. Wobei im Einzelfall ein objektiv gelebter höherer Verkaufswert heranzuziehen sein kann und die Versicherungsleistung die Obergrenze bildet.